Rotorua
- Andrea Oldani
- 23. Dez. 2025
- 4 Min. Lesezeit
Schwefel in der Luft, Vulkane unter den Füssen und pure Dankbarkeit im Herzen. Zwischen touristischem Trubel und berührenden Momenten mit der Maori-Kultur erlebten wir Tage, die lange nachhallen.

Die Fahrt von Taupo nach Rotorua dauerte rund eine Stunde. So konnten wir unterwegs gemütlich verschiedene Stopps einlegen, als Erstes bei "Wai-O-Tapu". Dieser Ort war zwar sehr touristisch und entsprechend auch teurer. Der Eintritt kostete rund CHF 50. Doch die kleinen Seen mit ihrem farbigen, sprudelnden Wasser, das von Vulkanen erhitzt wird, waren unglaublich schön und damit eine absolut beliebte Naturattraktion. Randnotiz: Der Schwefel lag schwer in der Luft und unsere Kleider rochen herrlich nach verfaulten Eiern.
Gleich ums Eck sprang ich anschliessend noch in den "Kerosene Creek", einen warmen, natürlichen Fluss. So nahm ich den Schwefelgeruch direkt auf meiner nackten Haut mit. Mit diesem Duft gingen wir danach in Rotorua noch Mittag essen und bezogen unser neues Zuhause. Dort konnte ich mein Schwefel-Peeling im beheizten Jacuzzi wieder loswerden und war somit frisch fürs Abendprogramm. Rotorua ist bekannt für seine geothermischen Aktivitäten, je nach Windrichtung riecht es im ganzen Ort nach Schwefel.
Am Abend buchten wir über GetYourGuide im "Mitai Maori Village" einen Erlebnisabend mit Nachtessen und Maori-Show. Es war eine tolle Erfahrung, in die Maori-Welt einzutauchen, ihre Kultur näher kennenzulernen inklusive traditionellem Haka und ihren Spezialitäten am Dinner-Buffet. Nichtsdestotrotz fühlte es sich für uns etwas zu touristisch an und weniger authentisch, als es wohl im echten Alltag wäre.
Zwei weitere Maoris lernten wir am nächsten Tag kennen, als wir eine Tour zum "Mount Tarawera" buchten. Dieser Berg darf nur mit Guides bestiegen werden, da er den Maoris gehört. Spontan und kurzfristig wie wir sind, erfuhren wir das natürlich erst am Tag zuvor und mussten kurzerhand um die letzten Plätze buhlen. Zum Glück klappte es und wir standen um 08:00 Uhr auf der Matte. Mit einer kleinen Truppe und einem zum Glück „stabilen“ Toyota-4x4-Bus fuhren wir die Schotterstrassen hinauf zum Fuss des Berges oder besser gesagt: des Vulkans. Amela hatte die Ehre, vorne neben dem jungen Maori zu sitzen, der während der Fahrt mit lauter Musik fast ihr Trommelfell weggeblasen hätte. Ich hingegen sass ganz hinten auf einer Mission. Dazu später mehr. 😉
Der Weg auf den Gipfel war äusserst imposant und wunderschön. Es fühlte sich speziell an, diesen Vulkan hinaufzumarschieren, auch wenn er nicht mehr aktiv ist. Oben angekommen genossen wir die Aussicht auf die Mondlandschaft und den kräftigen Wind um die Ohren. Danach ging es über die steile, steinige Rückseite des Vulkans wieder hinunter, fast wie beim Skifahren.
Den Nachmittag verbrachten wir in Rotorua selbst, spazierten zum See hinunter und schlürften dort unseren Kaffee in der Sonne. Ein herziger Ort zum Verweilen, mit tollen Restaurants und Bars.
Nun zurück zu meiner Mission:
Amelas grosser Wunsch war die Wanderung "Tongariro Alpine Crossing" im Tongariro-Nationalpark, der die vergangenen zwei Wochen wegen Buschbrand gesperrt war. Glücklicherweise unterstützte starker Regen die Feuerwehr enorm, sodass das Feuer bis auf kleine Buschbrände vollständig gelöscht werden konnte.
An jenem Sonntagnachmittag erfuhr ich via Instagram, dass der Tongariro ab dem Folgetag wieder öffnet und die Wanderung für uns somit realistisch wird. Kurzerhand buchte ich über GetYourGuide die geführte Tour mit Adrift Tongariro. Es gab nur noch zwölf Plätze. Seit zwei Wochen warteten alle Touristen auf diese Möglichkeit, wir auch. Amela konnte ihr Glück nicht fassen, als ich davon erzählte. Da wir bereits etwas weiter vom Nationalpark entfernt waren, warteten am nächsten Morgen über zwei Stunden Fahrt auf uns. Doch das frühe Aufstehen hatte sich mehr als gelohnt.
Pünktlich um 08:00 Uhr standen wir bei Adrift auf der Matte, wurden vom Inhaber höchstpersönlich auf Ausrüstung und Kleidung geprüft, bevor seine Frau unsere Gruppe zum Startpunkt brachte. Als wir aus dem Bus stiegen, bekamen wir Gänsehaut. Gerade begann die Opening Ceremony der Maoris, die bis heute als Oberhaupt dieses Nationalparks gelten. Sie sprachen in ihrer Sprache zu den Anwesenden und Medienschaffenden, waren sichtlich berührt von der Naturkatastrophe ihres heiligen Parks und machten zum Abschluss den Haka. Für uns war das ein unglaublich authentischer und berührender Moment, ein intimer Einblick in ihre Kultur.
Umso mehr empfanden wir diese Wanderung als grosses Privileg. In Dankbarkeit gingen wir die ersten Kilometer entlang der verbrannten Wege und sahen die Verwüstung mit eigenen Augen. Je weiter wir ins Tal hineingingen, desto mehr veränderte sich die Natur. Die Landschaft wurde karger, die Mondlandschaft immer präsenter. Es war ein besonderes Gefühl, zwischen Vulkanen zu wandern. Zumal einer davon noch aktiv ist.
Unterwegs machten wir immer wieder Halt, bestaunten die Szenerie und steigen hoch über Steine, bis wir auf einer Zwischenfläche auf 1’660 Metern ankamen. Die Aussicht war fantastisch. Ich glaube, die Bilder sprechen für sich.
Jeder einzelne Abschnitt dieser Wanderung bringt dich ins Staunen. Es wirkt fast unrealistisch, dass eine solch eindrückliche Landschaft auf unserem Planeten existiert. Einfach unfassbar. Highlights gab es viele, doch was gibt es Besseres, als auf dem Peak ein selbstgemachtes Sandwich von Amela zu geniessen? Mmh. Herrlich. Gestärkt ging es in der zweiten Hälfte via Blue Lakes und durch den Krater hinunter ins andere Tal, wo wir schlussendlich nach fast acht Stunden, 21 Kilometern und auf 750 Metern Höhe ziemlich „gschluchet“ ankamen. Einzig die Füsse meldeten sich deutlich. Doch dank Tims wöchentlichem Training flogen wir wie Feen über diese Vulkane. 😄 Für uns beide wird dieser Tag tief in unseren Erinnerungen verankert bleiben.
Bei dieser Wanderung erlebst du wirklich die gesamte Bandbreite des Landes: von karger Mondlandschaft über Schwefelseen und Krater bis hin zu Wasserfällen und am Ende zu diesen unheimlich schönen Regenwäldern. Wahrlich ein Traum für Wanderliebhaber und der krönende Abschluss, bevor es weiterging zu unserem letzten Halt auf dieser wunderbaren Reise.
Rotorua, 15. - 18.11.2025

























































































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